eigenes Niederschlagsradar  (Gelesen 15065 mal)

BornToFly

  • Gast
Re: eigenes Niederschlagsradar
Antwort #10 am: 15.03.2013, 11:00:54
Hallo in die Runde,

ein altes Thema aber dennoch : es gibt bereits Niederschlagsradarsysteme für den Nahbereich auf Basis eines ganz normalen Schiff-Radarsystems. Hierzu muß jedoch die Software entsprechend angepasst werden.
Ich hatte mich vor einigen Jahren mit dem Thema mal beschäftigt und damals hat die Fa. SiTex aus den USA (Florida ?) solche Systeme verkauft, jedoch nicht nach Deutschland exportiert.

Problem an der Sache ist, das es sich hierbei ganz klar um eine low-budget-Lösung handelt; also kein Dopplerradar ist. Sprich : das Radar macht das, was es soll : es zeigt Echo´s an !
Bei den Echos wird jedoch nicht unterschieden zwischen Regen, Schnee, Hagel, Flugzeugen oder einem Schwarm Stare auf dem Weg ins Winterquartier.
Soll heißen : man hat da eine Menge auf dem Schirm ohne die Signale sinnvoll "filtern" zu können.
Somit werden auch Hochhäuser Türme und Maste etc. angezeigt; eben alles, was ein Echo zurückwirft.

Der Betrieb macht somit nur wirklich Sinn, wenn man eine exponierte Lage auf einem Berggipfel oder Bergkuppe hat; die "Sendelizenz" ist kein Problem : einfach ganz normal ein Schiffsradar anmelden, den Grund für den "stationären Betrieb" vermerken, Position und Frequenz angeben und dann wird geprüft, ob es andere Systeme stört oder nicht.

Viel Größer sind die Probleme bei der Infrastruktur : wie viele Bergipfel/Berkuppen mit Stromversorgung und iNet-Anschluß gibt es, bei denen die Eigentümer ein solches Projekt zulassen ?
Hier in der Nähe gibt es ein paar Betontürme mit "Tellern" dran, auf denen Sendesysteme stehen; meisst von der Telekom betrieben. Kosten : ca. €900-1500/Jahr für einen Platz auf einem der oberen Teller, zzgl. einer einmaligen Gebür von €2500 für die Einrichtung und Messung, ob das Radar nicht andere Systeme auf dem Sendeturm stört. Zzgl. Strom für Radar, PC und Internet ....

Um solch defizile Ziele wie Regen darstellen zu können, bedarf es eines guten Magnetrons im Radar ! Da sich das Magnetron mit der Zeit abnutzt, sollte dies spätestens nach 1000 Betriebsstunden gewechselt werden, andernfalls wird das Radar irgendwann keinen Regen mehr "sehen" können.
Nicht zu vergleichen mit den Radarsystem auf Schiffen, die jahrelang problemlos ohne Wechsel des Magnetrons auskommen, da ein Schiff ein sehr starkes und breitbandiges Echo zurück wirft  und somit auch die Echo-Signale von alten Magetronen problemlos vom Empfänger verarbeitet  werden können.
Der Vollständigkeit halber sei hier angemerkt : das Magnetron ist für das Aussenden des Radarstrahls verantwortlich und sendet im Neuzustand mit einer bestimmten Bandbreite auf Frequenz X; der Empfänger ist auf die gleiche Frequenz und Bandbreite eingestellt.
Mit steigenden Betriebsstd. wird das, vom Magnetron ausgestrahlte Signal zum einen breitbandiger, zum anderen kann sich aber auch die "Kernfrequenz" (Sendefrequenz) verändern, sodaß der Empfänger mit der Zeit immer weniger Echo-Signale emfängt, weil er eben auf eine ganz bestimmte Frequenz und eine ganz bestimmte Bandbreite des Signals eingestellt ist.

1000 Betriebsstunden bei 24*7*356 = ca. 41 Tage => also ca. alle 1,5 Monate ein neues Magnetron für ca. €500 (... dann aber selber einbauen; ein Techniker kostete dann noch mal €250 Euro drauf !)

Stellplatz auf dem Turm : €1300/Jahr
Wechsel des Magnetrons (8x/Jahr) : €4000
Kosten f. Strom/iNet : mind. €600/Jahr
Kosten die hier noch nicht aufgeführt sind : ?

Wer also €7.000 - €8.000/Jahr übrig hat, kann sich ja mal  dran versuchen !
Einmalige Anschaffungskosten : ca. €4000 für Hard- und Software

Die Idee ist spannend, aber hier in D kaum umsetzbar; und mit €8.000/Jahr wüßte ich was besseres anzufangen, als ein Regenradar zu betreiben, das in viel besserer und genauerer Form vom DWD (fast) kostenlos und "frei Haus" per Internet geliefert wird !

Für einen reichen Amateurfunker mit entsprechender Erfahrung im Ghz-Bereich, wäre das ganz bestimmt ein absoluter Leckerbissen, aber inhaltlich eben auch nicht mehr als "Große-Jungs-Spielerei"; für uns "einfache" Wetterfrösche eigentlich kaum zu handhaben ...

Gruß
Andreas

Wetterstationen.info Forum

Re: eigenes Niederschlagsradar
« Antwort #10 am: 15.03.2013, 11:00:54 »